Tal-1 110/800mm Reflektor
seit 07.07.2018

Ein noch nicht ganz Klassiker; ein "Youngtimer" sozusagen - aber mit hohem Klassikerpotential. Und - ein "Russe" - für einen "Sowjet" ist der bei mir nun angelandete Tal-1 Newton mit seinem 1997er Baujahr noch nicht alt genug.

Lange stand der Tal für ein kleines Geld in den bekannten "Kleinanzeigen"-Seiten. Und ca 80km von meinem Zuhause entfernt. Also, mit Tochter dorthin gefahren, das Teleskop abgeholt und noch den Blautopf in Blaubeuren besucht (leider sehr voll dort). Der Handel ging dann schnell über die Bühne und ... das ist mal ein Teleskop, wie ich es mag: kein chinesischer Billigwackeldackel, sondern ein Teleskop russischer Fertigung; und das wirklich so, wie man es von "Russen" eben erwartet: Ohne viel Drumherumgedöns, sondern auf den Punkt gebracht: stabile kleine Säule mit drei ausholenden Metallfüßen, Tubus aus 2-3mm dickem Alurohr, nix gefalzt, 110mm sphärischer Spiegel, ein 6x30er Sucher in hochwertiger Qualität. Ein einfacher 1"1/4-Zoll OAZ, der aber gut läuft und stabil ist, das legendäre 25er Tal-Plössl und eine kleine, wie schwere Vollmetall-3fach Barlowlinse. Schnörkellose mechanische Klasse. So müssen Teleskope sein. Zusammen wiegt das Ensemble dann auch ca. 15-19 Kilo. Satt ;-). Anbei war noch ein Photoadapter und dieser Tal-typische - ich denke mal - Sonnenprojektionsschirm zum Anbringen am Ende der Gegengewichtsstange.

Obwohl es die Tals schon seit mindestens 1989 - also eben noch aus Zeiten der Sowjetunion - gibt, ist dieser hier mein Erster. Ich hatte den schon einmal bei "Photo-Hamer" in Bochum für damals 765DM angeboten bekommen; also ca 380€. Gefertigt wurden/werden? diese schönen Geräte im russischen Novosibirsk.
Zunächst war die Tal-Optik erst einmal zu justieren. Beim Blick in den OAZ sah man den Hauptspiegel wohl, aber seitlich. Und der Fangspiegel zeigte auch sonstwohin. Bei guter Justage muss ja der FS im Zentrum des HS stehen und man muss im FS das eigene Auge mittig haben. Dann ist man schon sehr nahe an einer guten Justage dran.
Urig die Verbindung zwischen Montierung und der Stativsäule ... die Montierung wird als Ganzes dort reingeschraubt. Das verspricht eigentlich eine recht hohe Stabilität. Die Gegengewichtsachse ist - wie die der alten NP-Montierung - mit einem kompletten Schraubgewinde ausgestattet, so daß die Gegengewichte dort regelrecht raufgeschraubt werden müssen. Und die Gegenwichte sind schon passend auf das Gewicht des Teleskopes abgestimmt (auch wenn sie optisch zunächst einmal recht klein erscheinen). Das Teleskop dann auf den Balkon gestellt, war ich doch ein wenig ernüchtert . Stichwort "Stabilität": beim Anpeilen eines Objektes zur Suchereinstellung bemerkte ich doch ein - für dieses eigentlich wirklich mechanisch "satt" wirkende Gerät - recht hohes Schwingen. Natürlich nicht so schlimm, aber ich bin da ja pingelig: Es übertraf sogar dasjenige meines jüngst mit einem neuen Stativ ausgerüstete Tasco-11-T Teleskop (siehe hier ). Das ist natürlich nicht so dülle. Ich hoffe aber, dass das zu beheben ist.
Der 6x30er Sucher ist von hoher Qualität, wie auch das Anbringen desselben an den Sucherböcken: damit der Tubus des Suchers nicht verkratzt wird, sind hier extra noch Ringe um den Sucher angebracht, der dann zur Justage mit den Fixierschrauben dient. Klasse!

Noch eine Überraschung: der OAZ hat noch das alte russische (?) 32mm Steckmaß und nicht das bekannte 31.7mm. So auch das 25er Plössl Okular, wie auch die Barlowlinse. Den Okulareinblick finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, da der Fokuspunkt recht weit draußen liegt; für BrillenträgerInnen natürlich gut!). Bild ist soweit gut, ich peilte wieder die Testreflexe an den mehrere 100m entfernten Glühbirnen eines Nachbarbalkones an. Allerdings konnte ich noch keine abschließende Aussage machen, da das Wetter nicht gut zum Beobachten war. Auch nicht über die Qualität der 3x Barlowlinse.
Im wirklich guten wie massiven Tubus wartet allerdings auch noch die D-C-Fix-Reflexminderungssession, da auch hier - siehe Bilder - mit diesem mattfarbenen aber dennoch reflektierenden Lack gearbeitet wurde. . Die manuellen Nachführe haben einen endlichen "Raum"; das verhält sich dann wie bei den üblichen japanischen Klassikerteleskopen. Wenngleich es hier eben keine Wellen, sondern Räder gibt.


Ja, wie sich gestern beim erste richtigen Beobachtungversuch herausstellte, hat der Vorbesitzer da wohl irgendwie herumgedengelt und Käse gebaut: Mit dem Ergebnis, daß man bei Beobachtung am Himmel nicht in den Fokus kommt. Da muss wohl der Hauptspiegel soweit nach "hinten" montiert worden sein, daß, der Brennpunkt recht weit - Richtung Fangspiegel . im OAZ zu finden ist. Gut. Später mehr.
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