SELBSTBAU: 63/840mm-Refraktor mit Zeiss-Jena Telementor-Objektiv

Wir bauen uns dann mal ein Teleskop ...

Ich hatte noch ein olles DDR 63mm-Objektiv zu liegen, das mal für 35 Euretten den Weg zu mir gefunden hat. Ein alter Ost-HelikalOAZ und noch ein 24,5mm Zenitprisma fand sich auch - da muß doch was "gehen"... Und so ein schöner Urlaub auf Samsö sollte auch die nötige Muße hierfür bringen.
Die Fassung des Objektives hat einen Aussendurchmesser von 72mm ... hmm ... also ab zum Baumarkt und mal schauen, ob es da ein passendes Tubusrohr gibt. Und hier hab ich dann mal echt Glück gehabt, fand ich doch für 2€72 ein einen Meter langes Kunststoffrohr mit einem Innendurchmesser von ... 72mm :-) Und dan zuhause natürlich den Test ... das Objektiv passte "saugend" in das Rohr - klasse!
Anderes Ende des Tubusrohres ... da wo der OAZ hinkommt ... nunja der Aufnahmebereich des OAZ hat nur ca 55mm Durchmesser und der Innendurchmesser des Rohres ist ja 72mm ... also je Seite knappe 9mm zu "überwinden". Was machen ohne einen passenden Adapter, keine Säge und passendes Holz? Na, dafür gibt es ja noch das gute alte Panzertape ... also: losgewickelt und losgeklebt. Bahn um Bahn am Ende des OAZ-Aufnahmebereiches. Nach einer guten Stunde war es dann soweit ... mal probiert, war schon etwas übers Ziel hinaus; pa&szilg;te nicht mehr. Ein zwei "Durchmesser" wieder abgewickelt und nun "propfend" passgenau. Muy bien. Hier habe ich nun - frei nach Augenmaß - den OAZ "reingestopft" und mit vier kleinen Schrauben, die ich durch das Kunststoffrohr in die Panzertapebahnen geschraubt habe, befestigt. Sitzt erstaunlich fest.
Nun hatte ich auch die Möglichkeit, Okulare anzubringen; nun galt es, den genauen Fokuspunkt - respektive die Lage des Objektives im Rohr - festzustellen und zu montieren.
Das alte Objektiv hat 840mm Brennweite; das Rohr ist genau 1000mm lang; also: eine schöne lange Taukappe war gleich inbegriffen ... . Nach einigem Hin- und Her habe ich den Punkt dann gefunden: Das Objektiv war 280mm in den Tubus reinzuschieben. Und um das Objektiv zu "fixieren" habe ich ebenfalls vier Schrauben in 340mm Abstand zum Rohrende angebracht; bis dahin war das Objektiv zu schieben, damit die 280mm von der vorderen Seite gewährleistet blieben. Hier kamen auch vier Schrauben durch den Kunststofftubus zur Fixierung des Objektives hin. Nun war und ist das Objektiv fest.
Beim Blick durch den OAZ Richtung Objektiv ... üble Reflexe im Rohr. Hab dann mal ein 20er Okular (42fache Vergrößerung) reingepackt: vor lauter Reflexen waren die mehrere Hundert Meter entfernten Bäume kaum zu sehen. Hmmh, da mussten also Reflexionsminderungen her ... ich hatte zwar "Dezi-Fix"-Veloursfolie mit. Nur wie sollte man die in ein ein Meter langes Rohr mit 7cm Durchmesser ohne sonderliches Extrawerkzeug reinbekommen? No way.
Also mussten Blenden her. Nur wie machen? Pappe, was sonst? Und was anderes war nicht zur Verfügung. Also - auch einer alten Milchumverpackung ein Stück Pappe herausgeschnitten, Durchmesser 72mm - mit vier "Klemmfüßchen" siehe Bild. Bei einer Brennweite von 840mm musste dann bei 420mm Abstand zum Objektiv das Blendenloch einen Durchmesser von 36mm bekommen.
Nachdem ich dann die Objektivfixierschrauben und dann das Objektiv wieder herausgenommen habe, packte ich die Blende in den Tubus und schob diese dann mithilfe des Objektives und eines Zollstoxks auf ca 700mm (280mm + 420mm) Tiefe in den Tubus Richtung OAZ. Dann das Obketiv wieder an seinen Platz ("auf 280mm") und Blick durch den Tubus: deutlich besser! Der Blick durch das 20er Okular liess die einst fast unsichtbare Baumgruppe nun klarer erscheinen.
Aber es war zwischen OAZ und der von Diesem ca 300mm entfern Richtung Objektiv liegenden Blende immer noch einiges an Reflexen. Also eine zweite Blende musste her. Diese brachte ich dann ca 180mm vor dem OAZseitigem Rohrende an; mit einem Innenblendendurchmesser eines 20-DKR-Stückes von ca 27mm. Hierzu musste ich dann aber den OAZ ab- und wieder anbauen. Zur Fixierung beider Blenden nahm ich wiederrum jeweils vier durch den Tubus geschraubte Schrauben, gegen die ich die Blenden dann feste schob. Und die halten auch fest.
Ergebnis: es war nun dunkel im Tubus. Keine Reflexe mehr, stattdessen endlich der gewünschte Kontrast. Fein! Jetzt konnte ich auch mal - aus der Hand und damit entsprechend "eiernd" die höchste mir zur Verfügung stehende Vergrouml;ßerung testen - 140fach bei Verwendung eines 6-mm-Vixen-Orthos: nun konnte man die besagte Baumgruppe auch gut erkennen. Gut. Natürlich habe ich den OAZ auch nur "frei Auge" in der Ebene zum Rohrende anbringen können, aber das sieht recht parallel aus.

Nun hatte ich auch kein Stativ aber für Tanja noch ein altes "Tasco"-Japan-Newton Teleskop dabei. Und dessen Montierung sollte testweise reichen. Nur hatte die Rohrschelle vom Newton ca 130mm Durchmesser, passt aber für die 75mm Durchmesser nicht. Also - Tubus abbauen und ... ?? Auch hier wurde geradezu "brutal" provisorisch vorgegangen ;-) : durch die beiden Aufnahmelöcher hindurch schraubte ich den Tubus mit Holzschreiben (!) in den Kunststofftubus, der gottseidank sehr leicht ist. Das wackelte natürlich erheblich. Also womit fixieren? Klaro - Panzertape ... siehe Bilder. Und auch das klappte überraschend gut. Nun ist die wirkliche Improvisations-Klapperkiste mit DDR-Optik aus dem Hause Zeiss also einsatzbereit.

Es stehen an Okularen zur Verfügung:
  • K20mm = 42fach
  • H12.5mm = 67fach
  • Or6mm = 140fach
    alle in 0"96-Zoll-Ausführung und mindestens 30 Jahre alt. Also nix Modernes.

    Und vorgestern - am 28.08. gab es hier dann ein der häufigen 6m5er Himmel. Da wurde die Klöter-Konstruktion doch gleich mal an "den Stern" gebracht ... Zunächst natürlich die Doppel-Doppelten epsilon in der Leier - noch bei mittelblauem Dämmerungshimmel: schon im H 12.5er bei 67fach waren beide doppelt zu sehen ... dann im 6er bei 140fach locker getrennt. Gut!! OP scheint gelungen. Später, als es dann dunkel war, dann M 57; schon bei 42fach war die Ringstruktur dann ansatzweise zu erkennen, bei 140fach dann recht gut. Auch der 11m9er "Vorläuferstern" war ansatzweise indirekt wahrnehmbar. Weiter zur nächsten "Standardkerze", M 13 ... der war mehr als nur "körnig" bsi hoch zu 140fach waren viele Einzelsterne blickweise direkt zu identifizieren, dies nicht nur am Rand. Im Herkules ist ja auch eines der von mir im Astrotreff als Odm September vorgestellten Objekte: NGC 6210, der Schildkrötennebel, ein PN: Mit den 2.5" Öffnung war der schon bei 42fach als verwaschener Stern zu erkennen, dann bei 140fach als leicht länglich-ovale Fläche ohne weitere Details. Aber gut identifizierbar. Weiter ging es zum Hantelnebel M 27. Den fand ich diesmal erstaunlich schnell ... auch hier eine - natürlich weit größere ovale Fläche neben etlichen Sternen der Sommermilchstra&slig;e. So und nun mal so ein "Hannes-Objekt", der für 63mm Öffnung nicht auflösbare Doppelstern pi Aql mit seinen 1"44 Komponentendistanz. Im Optimalfalle sollen 63mm ja eine Distanz von 1"79 trennen können. Also ran: und natürlich konnte ich den auch nicht trennen. Nichtsdestotrotz war pi Aql aber deutlich länglich zu erkennen (140fach). Das fand ich mal gut; kann also sagen, das meine Klöterkiste wohl recht gut gelungen war und ist. Abschliessend versuchte ich mich noch an der Galaxie NGC 404 "Mirachs Geist": Hier konnte ich nun keine Sichtung "melden"; vielleicht war ich zu müde, vielleicht stand die Andromeda noch zu tief, vielleicht war der Himmel nicht klar genug, vielleicht langten dann die 63mm Öffnung doch nicht oder alles - mehr oder minder gemischt - traf zu.
    Zusammenfassend kann ich sagen: ein aus hochgradig provisorischen Materialien (bis auf das Objektiv und den OAZ) reglrecht zusammengedengeltes Teleskop machte auf den ersten "Check" seinen Job nicht schlechter als ein noch originalverpackter Telementor, der zuhause liegt. Materialkosten: ein Kunststoffabwasserrohr für knappe 3€; ein paar Meter billiges Panzertape fü keinen ganzen €, 16 kleine Holzschrauben für vielleicht auch zusammen einen € und zwei Pappblenden für nischte.


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