Towa339/Tasco10K&15K 80/1200mm - das Stativ

Verbesserung der Stabilität vermittels eines Stativtausches

Wie auch bei den bekannteren 112er Newtons aus dem Japan der 70er/80er, so kränkeln auch die schon teureren Aufsteiger-Refraktoren der 80/1200er Serie insbesondere an den katastrophalen Stativen. Das erstaunt insofern, als das sie schon mit der etwas kräftigeren Montierung im Vergleich zu den 112er Newtons (oder auch 60er Refraktoren) ausgestattet wurden. Da hat man bei Towa (dem Hauptproduzenten dieser Geräte) schon eine etwas "eigenwillige" Produktpolitik verfolgt. In den 80ern waren diese schönen 3.2-Zöller ja mit ca 1500 der damaligen D-Mark nun nicht gerade als Schnapper zu bezeichnen; da dürften eigentlich stabile Stative mit im Paket sein. Waren es aber leider nicht. Nun denn - auf in die "Bastelstube"...

Hier - für die Älteren unter uns noch mal den Blick in den Prospekt, der - sicher nicht nur mir - die Augen feucht wurden liess ...

  


Da sieht man aber auch schon das Stativ ... mit seinen filigranen Beinchen und der spartanischen Verbindung zwischen Montierungsaufnahmeplatte und den Beinen. Zur Verdeutlichung daneben ein Bild aus der Nähe. Man kann schon sehen: an den dünnen Holz"zapfen" und Montierungs"füßen" kann - auch wenn man noch so sehr die Schrauben anzieht, keine wirklich stabile Aufstellung hinbekommen. Da würde wohl allenfalls eher das Holz des Statives splittern.
Hier ist also ein grundsätzlicher Fehler zu korrigieren. Diese Korrektur ist aber nur über den Austausch des kompletten Statives zu bewerkstelligen.

Für dieses Teleskop sollte nun ein Solches aus Holz her ... und wo bekommt man das für kleines Geld eher als in den bekannten Kleinanzeigenportalen in den Weiten des Netzes. So wurde ich dort auch für 45€ fündig; es ist ein schönes ehemaliges Baustativ mit "breiter Aufnahmespreizung" an der Montageplatte. Das verspricht Stabilität. Ein ersten Problem ergab sich bei der Demontage der Montierung von der bisherigen Aufnahmeplatte: der "Stutzen" der Montierung hat einen Durchmesser von ca 73mm. Das Loch auf der Montageplatte des Baustatives - leider nur ca. 63mm. Hmmmh ... Liess sich ber lösen: denn die Fixierschrauben, die an der bisherigen Montageplatte die Montierung von unten fixieren, waren in einem Durchmesserkreis von ca. 64mm angebracht. Lösung: ich bohrte ein Loch durch die Montageplatte ca. 2mm vom Rand; so daß ich nun den "Stutzen" drei mm zum Aufnahmeloch versetzt montieren konnte; alle drei Schraublöcher waren nun erreich- und fixierbar. So machte ich es: von unten das "Konterblech" (siehe Photo) vermittels der drei Schrauben (da braucht man dann aber drei etwas Längere!) montiert - und fertig. Sitzt auch schön fest, wenngleich es - durch die Quasi-Aufliegerei des Stutzens natürlich nicht die eleganteste Lösung ist. Eleganter wäre: das Aufnahmeloch der Baustativplatte auf besagte 73mm aufzudrehen/bohren und den "Stutzen" dann darein zu "versenken" und so dann fixieren. Da mir abe kein enstprechendes Werkzeug zur Verfügung steht, muss es auch fürs Erste so gehen. Und Ihr dürft mir glauben - es geht!

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Und ...?


Der Stabilitätsgewinn machte sich s o f o r t bemerkbar. Das Zittern reduzierte sich hoch bis zu 240facher Vergrößerung auf ein ca. drei/viersekündiges Nachschwingen. Dann Ruhe. Was ich - nach den positiven Erfahrungen der kleineren Montierungen dieser Bauweise auch hier vermutetet habe: diese Japan-Montierungen sind nicht so schlecht, wie ihr Ruf. Die sind durchaus halbwegs praxisgerecht für diese Teleskope. Abermals sind es auch hier: die Stative.
Ich werde aber zusehen, tatsächlich noch die Version - Ausdrehen der Montageplatte auf 74mm und Versenken des Stutzens der Montierung - umzusetzen. Ich gehe davon aus, diese drei/viersekündige Nachschwingzeit noch weiter herunter zu bekommen. Denn: warum sollte man vorhandenes Potential verschenken?

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Gesagt - getan! Es galt nun, die Auflageplette des Baustatives "aufnahmebereit" für den Stutzen des Japanstatives zu bekommen. Dazu musste das 62mm Loch auf 73.5mm aufgedreht werden. Das besorgte dann einer meiner Sternfreunde vom Stuttgarter Astrostammtisch für mich - Danke Martin!. Er brachte die Platte dann zum Stammtisch mit, ich hatte den Stutzen dabei . Testanpassen - passte wie Ar*** auf Einer. Klasse.
Sonnabend ist dann gerne mein Basteltag - so auch heute.Wie nun den Stutzen an der Platte befestigen: Ganz einfach: vermittels dreier Winkel, die ich einfach an die ursprünglichen Aufnahmeschraublöcher anbrachte. Da es keinerlei Abstand durch Martins präzise Arbeit zwischen Platten-Lochrand und Stutzen gab, also nichts "durchrutschen" kann, erzeugte das hier eine stabile Klemmung. Kurzerhand die Schrauben recht fest angezogen und das Ganze wurde dann seeeehr stabil. Fein! Stracks die Monti komplett auf das Stativ gesetzt und versucht, zu wackeln ... aaaaaah: da ging wackelmäßig nichts! Prima.



Und weiter ...?


Und da unser Wetter heute eine schwere Störung hatte, sprich der Regen mal pausierte; das Ganze gleich auf den Balkon und den 80/1200er draufgesetzt. Ja, das fühlte sich schon gut an!. Meinen "Anpeil-Wetterhahn" in ca 200-300m Entfernung anvisiert und ... stabil. Erstmal im prima Yamamoto 22er Kellner V ca 58fach): Kaum noch Wackel. Okay, - "keine Gefangenen machen" - gleich mal das 4er rein und 300fach ... Bingo! Auch hier lediglich ein ca 2sek dauerndes Nachzittern und dann - Ruhe!
Noch ein bischen mit schwächerer Vergrößerung (6er / 200fach) rumprobiert - echt klasse. Die "OP" hat wirklich etwas gebracht. Bis auf diese zwei Sekunden Etwas-Zittern, die ein Stabilitätspingel wie ich tolerieren kann - alles Bestens! Natürlich wird sich das alles noch unter dem Sternenhimmel "beweisen" müssen. Aber, warum sollte es da anders sein, als am "Testhahn"?

Kurz und einmal mehr: ich kann es allen Stativ-Zittergeplagten einmal mehr nur empfehlen: Gönnt Euren insbes. 70/80er Japanern a la den 112er Newtons, den 60er und 80er Refraktoren, den 114er Katadioptern usw. einfach ein besseres Stativ. Am besten ein Baustativ aus Holz (ich werde es demnächst aber auch mal mit einem Alu-Baustativ testen). Diese Stative kann man für max einige Dutzend € aus dem Netz ziehen - oder tatsächlich für keine 50€ auch neu bekommen. Und ... es müssen auf keinen Fall die teuren Stative einschlägig bekannter Marken aus der Astroszene sein!
Es ist ein mittlerer Quantensprung, wenn man mit den Geräten dann auf einmal sehr stark zitterreduziert, bisweilen fast ganz zitterfrei fokussieren und dann beobachten kann. Ich hatte das ja vor einiger Zeit mal mit dem Tasco-112er Newton gemacht und nun mit dem langen 80er Refraktor. Mit kleinem Geldaufwand kann man da echt viel Beobachtungsgenuss-Zugewinn erreichen. Anders; wer das nicht macht, verschenkt eine Menge Potential des Gerätes durch Wackelei. Hier mal einige Bilder zum Vergleich: Erstmal zwei der Typ-2-Montierungen auf den jeweiligen Stativen; ich habe derzeit zwei davon: Auf dem mittleren Bild das Originalstativ mit definitiver Zittergarantie. Da ist schnell Schluss mit Spass, denn der für diese filigranen Holzbeinchen recht schwere und zudem mit einem langen Hebel einhergehende Teleskop/Montierungsaufbau überlastet dies Stativ hoffnungslos und entwertet das an und für sich gute Gerät und die auch nicht so schlechte Montierung wirklich brutal. Daneben dann ein für 45€ aus dem Netz gezogenes Bau/Nivellierstativ. Eine ganz andere Größenordnung ... Welten besser.


Dann kam ich doch mal zum Beobachten mit der so angepassten Kombi: und es macht einfach Spass! Da wackelt so gut wie nichts mehr, der recht lange 80er wird auch von der (von mir durchgereinigten und neu gefetteten) Japan-Typ-2-Montierung gut getragen. Nun kann man das Potential dieses Teleskopes wirklich ausreizen. Ich kann Euch diesen Stativupgrade aus wärmsten Herzen empfehlen, das ist ein Invest von vllt. 50€, der sich w i r k l i c h lohnt !!!



Würde mal sagen wollen: So muss das ... FERTIG ;-)