Der Intes-Micro Alter-M-703

Maksutov-Cassegrain Alter-M-703


Seit einigen Jahren bietet sich die Möglichkeit neben den bekannten japanischen, amerikanischen und deutschen Gerätschaften sich nun auch für Geräte russischer bzw. ukrainischer Herkunft zu entscheiden. Da hat das wenig gloriose Ende der UdSSR uns wenigstens - neben einem Haufen Waffenschrott - den Zugriff auf die hervorragenden östlichen Optiken ermöglicht.
Ich bin eigentlich ein Refraktoranhänger, war dann aber immer mal neugierig auf die unter dem Namen "Intes" hierzulande bekanntgewordenen Geräten Maksutov-Cassegrainscher Bauweise. Bekanntermassen sollen solche Systeme an Kontrastverlust leiden, verursacht durch eine relativ hohe Fangspiegelobstruktion. Dies ist anhand der zahlreichen Schmidt-Cassegrain-Systeme amerikanischer Herkunft ja leider allzuhäufig bestätigt worden. Dennoch war ich immer wieder "hinterher", mal einen Blick durch so ein Teleskop zu werfen, wenn jemand ein Solches(anfang unter der Bezeichnung "MK-65") aufgestellt hatte. Den ersten "Test" konnte ich dann mit einem Gerät der "ersten Generation" mit 150mm Öffnung, 1500 mm Brennweite und einem 55mm durchmessenden Fangspiegel, durchführen.
Und immer wieder war ich erstaunt beim Blick durchs Okular: da präsentierte sich einem jedesmal ein pechscharzer Himmelshintergrund, die Sternscheibchen wurde auch bei hoher Vergrösserung sauber abgebildet, der gesamte Eindruck war beeindruckend. Und dabei sind solche Geräte dazu noch schön transportabel, ein Kriterium, welches für mich, der ich mitten im Ruhrgebiet wohne, wichtig ist. Also, der langen Rede kurzer Sinn: Ein solches "Kistchen" musste her. Nach einigem Hin- und her wurde es dann der Maksutov-Cassegrain "Alter-M-703" von der russischen Firma "Intes-Micro". Dies Gerät hat 180 mm Öffnung, eine Brennweite von 1800mm und eine Obstruktion von 33%. Derzeitiger Neupreis ist 4.290 DM incl. Zubehör für die "Standard"-Version (normale 92% Verspieglung, kein Lüfter).
Eine Anmerkung: Dieser kleine Testbericht bezieht sich lediglich auf den rein visuellen Gebrauch, photographisch bzw. ccd-mässig habe ich den Maksutov nicht genutzt.


LIEFERUMFANG:
Das Gerät kommt in einer schwarzen Tragetasche mit etwas Zubehör. Dieses ist ein 12x55 Sucher mit fokussierbarem Okular, ein 1 1/4"-30mm-Kellner Okular, ein anschraubbarer 1 1/4"-Zenitspiegel, eine 2.4fach-Barlowlinse sowie ein Adapter, um den Mak am einem Photostativ zu befestigen.

DIE MECHANIK:
Zuerst: Der Mak ist ziemlich schwer, wiegt ohne Zenitspiegel gute 7 1/2 Kilo. Kommt dieser noch dazu und dann das 35er Panoptic, ist man schnell bei 9 Kilogramm. Der Tubus hat eine Länge von ziemlich genau 500mm und einen Durchmesser von 223mm. Das Teleskop ist sauber verarbeitet und im Gegensatz zu den meisten Geräten anderer Hersteller noch als regelrecht "robust" einzustufen: Da wurde nicht mit "Submillimeter-Materialien" gearbeitet, der Tubus besteht aus wenigstens 1mm starkem Blech. Innerhalb des Tubus befinden sich sieben Blenden, die den Kontrast noch steigern sollen. Der Mak verfügt über eine Hauptspiegelfokussierung und ein Schraubanschlussgewinde für 2"-Anschlussmaterialien der gängigen Hersteller. Als Besonderheit ist oben auf dem Tubus noch ein Griff angebracht. Neben der Anschlussmöglichkeit für den Sucher befindet sich noch eine zweite, auf der kleinere Photo-Optiken angebracht werden können.

Leider hat die Mechanik zwei Schachstellen, welche aber relativ einfach zu beheben sind:
Die Hauptspiegelfokussierung läuft sehr rauh und ruckelnd, bisweilen "verhakt" sie sich, so dass man dann nur mit etwas mehr Kraftaufwand weiterfokussieren kann. Dies ist sehr lästig, insbesondere, wenn man mit höheren Vergrößerungen arbeitet. Diesem Problem kann man teilweise aber selbst beikommen, indem man am Fokussierrad die kleine Imbusschraube löst und danach die drei darunterliegenden Schrauben solange - vorsichtig! - verstellt, bis einfacher zu fokussieren ist. Ansonsten ist die Fokussierung tadellos und vor allem: Sie läuft ohne jedes Shifting.
Die zweite Schwachstelle findet sich in der zu lockeren Montageschiene: Hier wurde seitens der Hersteller mit Schräubchen gearbeitet, die in Feinstmechanikerkreisen sicher Freude auslösen können, aber für die Montagestabilität eines 7.5-kg-Teleskops schlicht versagen.
Aber auch diesem Problem kann man relativ einfach selbst abhelfen: Man nehme vorne den Meniskus heraus (diese Maksutov-Konstruktion ist erstaunlich justierunempfindlich), und tausche die viel zu kleinen Schäubchen unter der Führungsschiene gegen größere aus. Hierzu muss man allerdings - und dies bitte mit äusserter Vorsicht!! - etwas größere Löcher in die Tubusunterseite bohren, durch die dann die größeren Schräubchen kommen. Diese kann man hinter den einzelnen Blendenringen "verstecken". Ich selber habe bei meinem kleine Flügelmuttern genommen. Der Effekt ist erstaunlich: die Führungsschiene sitzt nun sehr viel fester.

DIE OPTIK:
Der Mak verfügt über einen 180mm durchmessenden Haupt- und den gut 60mm durchmessenden Fangspiegel. Dieser ist - maksutovüblich - innerhalb der 180mm durchmessenden Meniskuslinse angebracht. Allerdings: "Angebracht" heisst hier auch wirklich "angebracht": Im Gegensatz zu anderen Maksutovīs, bei denen sich lediglich ein aufgedampfter Aluminiumfleck auf der Innenseite des Meniskus befindet, wurde hier eine justierbare Fangspiegelhalterung in die Meniskuslinse integriert. So sind BEIDE Spiegel justierbar. Beim Fangspiegel muss man von aussen vorsichtig eine Abdeckplatte abschrauben. Hierhinter verbergen sich dann per Schraubenzieher einstellbare Schrauben.

DER SUCHER:
Der 12x55-Sucher bietet ein brauchbares, nicht gutes Bild. Dies äussert sich in der zum Rand hin zunehmende starke Unschärfe - man sieht dann nicht einen Stern, wo nur einer ist, sondern gleich zwei. So sind nur die inneren 60% brauchbar. Positiv - Man kann durch Drehen an Okular den Sucher fokussieren. Gut gelöst ist auch die Montage des Suchers auf dem Tubus: Man braucht kein Werkzeug für das Anbringen, sondern kann den Sucher an zwei gut dimensionierten - von Hand drehbaren - Schrauben ab- oder anbauen.

IN MEDIAS RES: BEOBACHTUNGEN
Habe diese Beobachtungen hier in gekürzter Form beschrieben. Diese Beobachtungen sind fast meine gesamten Ergebnisse des Jahres 1998, das Wetter war hier in NRW über weite Bereiche exorbitant besch... Und auch an den dreien (Z.T. durch aufziehende Wolken kurzen) Beobachtungsabenden waren die Bedingungen nie als "gut" oder "sehr gut" zu bezeichnen, was Seeing und/oder Durchsicht betraf. Ich hatte den Maksutov lediglich diese drei Mal mit ins Sauerland nehmen können, an einem Abend reichte es für fSt = ca. 6m3, dabei allerdings mit fast stürmischem Wind. An den beiden anderen Abenden kam bei ruhigerer Luft max fSt 5m9 "raus". Also, markieren diese Beobachtungen lediglich den "unteren Rand" dessen, was der "703er" bei sehr guten Bedingungen zu leisten imstande ist.

PN:
M57/NGC6720 (51x, 67x, 120x, 200x): Der Ringnebel präsentierte sich wie ausgestanzt mit scharf begrenztem Rand.
M27/NGC6853 (67x, 120x, O-III): Geradezu hell mit dem O-III-Filter, ohne das Filter wurde der Zentralstern allerdings auch nicht erkannt.
M97/NGC3587 (120x; O-III): Die "Eulenaugen" waren indirekt andeutungsweise erkennbar, der 11m9 "vorausgehende" Stern sehr deutlich.
M27/NGC6853 (67x, 120x, O-III): Geradezu hell mit dem O-III-Filter, ohne das Filter wurde der Zentralstern allerdings auch nicht erkannt.
Abell12(120 + O-III): Der Orion stand noch tief, dennoch war Abell 12 zeitweise indirekt aus "Ausbeulung" von mü Ori erkennbar.

EN&RN&SNR:
M8/NGC6523EN Sgt.(51x,67x,O-III,H-b): Trotz des tiefen Standes im Schützen ist der Lagunen-Nebel mit O-III immer wieder ein Genuß: deutlich sind die dunklen Unterteilungen zwischen den helleren Nebelpartieen zu erkennen. Danach mal den Test im O-III bzw. dem als H-b getarnten UHC-Filter (laut der Durchlasswellenlängen muss der das sein). Diesen habe ich in Tobiasī 32er Plössl eingeschraubt und..., der Nebel war mit dem O-III besser erkennbar (vielleicht lags auch an der "Unterstützung" des 35er Panoptics...)
NGC6888EN Cyg.(51x,67x,O-III): Am Crescent-Nebel war diesmal die gesamte "Blasenstruktur" erkennbar, jedoch mit einer helleren Zone im westl. Bereich des Nebels. Die anderen Bezirke waren eher schwach wahrnehmbar.
Cirrus/Veilnebel, sowie der Nordamerikanebelkomplex (51x +O-III): Diese waren zwar alle sichtbar, standen aber jedoch noch zu tief, um überragende Neuigkeiten zu zeigen.
M1/NGC1952(51x + O-III):Deutlich erkennbar, auch die Form des Crabnebel war zu sehen; bei indirektem Blick "gemottled"

GAL&QS:
M81/82/NGC3034/3037 (51x, 67x, 120x, 200x): Die beiden waren "gigantisch": M82 zeigte sich hinauf bis 200-fach regelrecht "zerfasert" von Dunkelstrukturen. Bei 120x am Besten. M81: Andeutungen von Spiralstrukturen und deutlich erkennbare Vordergrundsterne.
M51/NGC5194/95(51x, 67x, 120x): Die Spiralanordnung der Galaxie "kurz vor dem Durchbruch"; M51 zeigte schon deutlich Strukturen; die "Brücke zwischen 5194 und 5195 war zu erkennen.
NGC4565(51x, 67x, 120x, 200x): Genial; die Edge-On war "länglich ohne Ende" erkennbar, zudem war noch indirekt die Staubkante zu sehen.
M96/NGC3368&SN1998(51x, 67x, 120x,): Erste Supernova-Sichtung! Die war neben dem Kern deutlich und direkt erkennbar; ca.11m5
M104/NGC4594(67x, 120x, 200x): Das Staubband des "Sombrero" war deutlich direkt vor der helleren übrigen Galaxie zu erkennen.
NGC6207(67x,200x): Die war als heller Schimmer deutlich sichtbar, mit zentraler "Verdichtung".
M96/NGC3368(51x,120x): Nochmals die Supernova in M96: Sie war hell und deutlich direkt sichtbar, indirekt schon im 63er Zeiss-Refraktor.
3C273(67x,120x,200x): Der Quasar war mit 7 Zoll Öffnung deutlich und überwiegend auch direkt zu sehen.

KH:
M20/NGC6514EN Sgt.(51x,67x,O-III): Der im Okular wesentlich schwächere M20 war dennoch deutlich sichtbar, allerdings nur mit dem O-III-Filter. Um einen helleren Stern war deutlich eine Nebelstruktur erkennbar, die man vielleicht mal auf Papier bannen sollte... Nur mit hungrigem Magen fehlte einem die Ruhe dafür.
M13/NGC6205 (51x, 67x, 120x, 200x): Der wurde kurzerhand bis ins Zentrum aufgelöst! Trotz des windige Bildes ein genialer Eindruck. NGC 6207 "hielt" sich verborgen.
M4/NGC6121(67x): Der Kugelhaufen stand noch etwas zu tief, war aber leicht "gemottelt" zu erkennen.
M4/NGC6121(51x,120x,200x): Heute war der Kugelhaufen schön auflösbar, bis nahezu ins Zentrum.
M80/NGC6093GClSco.(51x,200x):Dieser Kugelsternhaufen ist zwar hell, liess sich allerdings nicht weiter auflösen

DOPPELSTERNE:
eta CrB(0"85; 257x, 346x): Den "Prüfdoppelstern" konnte man schon ab 257x andeutungsweise, bei 346x dann locker auflösen. Durch den ruhigen Himmel konnte dann auch klar ein dunkler Bezirk zwischen beiden hellen Komponenten gesehen werden.

PLANETEN:
JUPITER (35,27,15,9,5): Bot in beiden Makīs ein geniales Bild: Im 180er konnten insbesondere bei 200facher Vergrößerung Strukturen innerhalb der äquatorialen Bänder gesichtet werden. Die Bewegung der Monde konnte innerhalb einer halben Stunde aufwärts auch gut nachvollzogen werden. Am Jupiter (wie auch am Ringnebel) gefiel mir das Bild des 7-Zöllers besser (kontrastreicher und schärfer) als an einem optisch gutem C8.
JUPITER (35,27,21,15,9mm/5.2mm): Anfangs bot der (noch tiefstehende) Jupiter ein nicht besonderes Bild: Die " üblichen" Atmosphärenstrukturen, sprich Bänder. Schön beobachtbar war jedoch der Durchlauf eines Mondes (IO?) vor der Jupiterscheibe bzw. dessen Schattenwurf. Hier konnte man schon nach einige Minuten Warterei die Positionsveränderung erblicken. So verliess denn der Mondschatten nach ca. 2 Stunden auch wieder die Jupiterscheibe. Anfangs war die 120-fache Vergrößerung noch das "Mass aller Dinge". Später (gegen 1h30) beruhigte sich die Luft jedoch und jene in der Werbung angepriesenen Details waren sichtbar: Unterschidliche Strukturen innerhalb der beiden großen Atmosphärenbänder und auch der dazwischenliegenden helleren Zonen (200fach). Nur selten war die Luft jedoch für eine sinnvolle Maximalvergrößerung ruhig genug, die 346fache mit dem 5.2er brachte nicht soviel Zugewinn. Dennoch: In den ruhigeren Momenten ist der Jupiter bei mittelhohen bis hohen Vergrößerungen ein dankbares Objekt für den Maksutov.
SATURN (35,27,15,9,5.2): Genial im 180ger: Selbst bei 360fach konnten spielend fünf Monde gesehen werden (trotz diesigem Himmels), die Cassini-Teilung war bei 200x am deutlichsten zu sehen. Der Planet hing noch ziemlich tief über einem Haus, dennoch gab es trotzdem Augenblicke scharfen Anblicks: Die Färbung der Atmosphäre war deutlich unterschiedlich zu erkennen, die Bänder zeigten sich kontrastreich zwischen hellem beige und dunklerem beigebraun.
SATURN (35,27,21,15,9mm/5.2mm): Der noch zwei Stunden nach dem Jupiter auf der Szenerie erscheinende Planet zeigte bei 200fach die den ganzen sichtbaren Planeten umgreifende Cassini-Teilung. Zudem waren vier Monde im Okular erkennbar. Nach entsprechenden Mails in der Mailinglist habe ich mich auch mal an die ungleich schwerere Encke-Teilung herangewagt, dies allerdings vergeblich.

EINDRÜCKE:
Die Optik ist scharf und absolut ok, braucht aber ca. 1 Stunde zum Auskühlen. Zunächst wurden Doppelsterne bis 0.8" getrennt, die Beugungsringe stimmen. "Falsche" Farberscheinungen sind erwartungesgemäß kein Thema. Der Himmelshintergrund ist "rattenschwarz" und der Kontrast lässt - in Anbetracht von 33% Obstruktion - kaum etwas zu wünschen übrig.
Klasse ist die Transportabilität des Gerätes - heutzutage wird es ja für die meisten von uns immer wichtiger, vor Lichtverschmutzung und Schwachsinn wie "Skybeamern" auszuweichen.
Was sehr ärgerlich ist und dem Gerät nicht gerecht wird, sind unsinnige "Händlerempfehlungen", daß für dieses über 7 Kg schwere Gerät (ohne Zenitspiegel, Okulare etc.) die "GP"-Montierung der Firma "Vixen" genügen soll. Dies ist Blödsinn, die "GP-DX" oder eine vergleichbare Montierung sollte es schon sein, möchte man wackel - und zitterfrei beobachten bzw. photografieren. Weiter wäre ein serienmässig eingebauter Hauptspiegellüfter (nicht als "DeLuxe"-Zubehör!) empfehlenswert, bei einem Preis von derzeit um die 4.300 DM sollte so etwas zur Grundausstattung gehören, sowie das Ausräumen der angesprochenen mechanischen Mängel. Preis wie erwähnt um die 4.300 DM. Dies ist für 7" sicher "īne Menge Holz". Aber man erhält dafür ein sehr gut verarbeitetes, an insbesondere optischer Qualität die - zweifelsohne preisgünstigere - Konkurrenz sicher überragendes Gerät und den idealen Kompromiss zwischen Öffnung, Kontrast & Transportabilität.
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