125/1560mm Lichtenknecker-Fraunhofer-Refraktor

125/1560mm Lichtenknecker-Fraunhofer-Refraktor


Refraktor 125/1560 mit Lichtenknecker FH-Objektiv:

Grundsätzliches:
Ich bekam den Refraktor im Januar 1997 nicht als kompletten Lichtenknecker Refraktor, sondern als einen Selbstbau mit dem Lichtenknecker-Objektiv. Dies Objektiv war in der Originalfassung, noch schön mit dem eingravierten Schriftzug. Der Tubus besteht aus einem Pertinax-Rohr (170mm Durchmesser) mit drei eingelassenen Blenden, die das Streulicht gut unterdrücken. Als Okularauszug tut ein "Vixen" 2"-Okularauszug hervorragend seinen Dienst.

Die Montierung ist die alte "Wachter-II". Im Vegleich zu den modernen und bisweilen leichtgebauten Alu-Montierungen noch ein schwerer "Stahl-Montierungsdinosaurier" aus grauer Teleskop-Vorzeit (den 70ern). Ja, aber das Ding ist wirklich stabil. Man kann neben dem ca. 10.5 kg schweren Refraktor noch 10 kg Gegengewichte auf die Teleskopseite legen, auf der Gegengewichtsseite das Gewicht entsprechend runterrücken, so daß die gesamte Kombination wieder in die Waage kommt, und die Montierung vermittelt einem geradezu die Frage "Is was?" Sprich, man könnte - mit etwas kürzerem Hebel sicher auch solide ein 20/25-kg-Teleskop auf der Montierung stabil parken. So könnte z.B. der Intes Micro MN-86 Mak-Newton hier einen adäquaten Unterbau finden.
Die Montierung verfügt über einen integrierten elektrischen Antrieb in RA. Der läuft auf 24 V; eine etwas unglückliche Spannung. Man muss für den mobilen Betrieb (Autobatterie) noch ein wenig basteln. Der Motor läuft rund und total ruhig. Man hört ihn kaum und möchte meinen, dass er kaputt ist. Denn heutzutage knatschen die Motoren ja doch meist sehr hörbar, insbesondere die Ausführungen einer bekannten amerikanischen Marke mit "M..."

Die Optik wird per Verschraubung (via Rohrschellen) auf die Montierung aufgesetzt, einen Schwalbenschwanzmechanismus gibt es leider nicht. Serienmässig wurde ein 3.5 kg Gegengewicht mitgeliefert; ich musste mir für den schweren Refraktor aber noch ein 9.5 kg Gewicht drehen lassen, welches die Montierung aber auch völlig klaglos aufnimmt.
Ja, so hohe Stabilität hat auch ihren Preis; nicht nur finanziell. Auch das Gewicht schlägt mit nicht eben leichten 15 kg (ohne Gegengewicht wohlgemerkt) zu Buche. Mit dem Stahldreibein, den Gewichten und natürlich der Optik ist so der Zentner schnell erreicht " gute alte" Bauweise.
Mit Computersteuerung ist bei der Montierung noch nicht allzuviel zu wollen, in den 70ern gab es eben nichts dergleichen. Hier wird noch wirkliches Beobachten per Starhopping "eingefordert". Ist aber vielleicht auch nicht das schlechteste, so lernt man den Himmel eh viel besser und intensiver kennen.

Optik: Doppelsterne an der theoretischen Grenze von 0.9" werden schon bei durchschnittlichen Bedingungen getrennt (V=325fach/4.8er Nagler). Grenzgrösse bei 6m0- Himmel: 13m3. Ab 120/150-fach macht sich das sek. Spektrum bemerkbar und steigert sich bis 325fach etwas. Dennoch: Sahneoptik, kann ein FH besser sein? Natürlich gab es auch den obligaten Beugungsscheibchentest. Und der ist allerbestens ausgefallen: kreisrunde geschlossen Beugungsringe, intra- wie extrafokal völlig identische Abbildungen.
Nachteil: Mit Wachter-II- Montierung wiegt das Gerät knapp 50kg... Preis Optik: ca. 3300DM nicht billig, aber gut, etwas für Ästheten.

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