Bresser Pulsar Refraktor 120/1000mm

Bresser Pulsar Refraktor 120/1000mm

Da haben wir nach dem ersten China-Refraktor (siehe Celestron CR-150 HD) gerade man zwei Wochen später den nexten bekommen, eben besagten "Pulsar".
Einen 120/1000er Refraktor auf ner EQ-5-Monti, mit Grundzubehör und einem Okular.

09-11-00

Der "erste" Pulsarabend (natürlich kurz; ... in Erkrath unter ca. 4m5er Himmel (fast Vollmond).

Also, was ist dran bzw. "drin"?

Natürlich waren auch hier, wie beim Celestron-Phoenix der Mond, Jupiter und Saturn, sowie eta Ori. Als Okulare waren das 35er Eudiask. (29x) 7er Nagler (143x) und das 4er Abbé (250x) im Gebrauch. Und die Bedingungen: Natürlich Wind (Seeing) Wolkenlücken und viel Mondlicht!

Der Saturn zeigte ab 143x deutlich die Cassini-Teilung und drei Monde (letzteres zeitweise). Bei 250x war dann alles etwas weniger knackig (hohes Seeing!!), dennoch auch hier: Cassini-Teilung, erste Strukturen im großen Wolkenband und einen nicht einfarbigen Ring.

Jupiter ist einfach ein Stückchen zu hell für sowohl Pulsar als auch Phoenix. Da beginnt die Chromasie doch relativ schnell deutlicher zutagezutreten. Dennoch auch hier: (143x; 250x) Strukturen in den großen Atmosphärenbändern, Monde auch als Scheibchen mit unterschiedlichen Größen. Chromasie im 7er noch sehr akzeptabel, darüber wirds dann deutlicher. Dennoch: Für einen billig-FH sehr gute Korrektion.

eta Ori: Dem bin ich dann auch gleich mit 143x zuleibe gerückt (7er) und er zickte denn auch nicht lange. Bei 250x viel Platz zwischen den beiden 1"5 getrennten Komponenten.

Dann natürlich die Beugungsscheibchen: Die waren in ruhigen Momenten schon sehr gut, aber bei intra- und extrafokaler Lage nicht ganz identisch. Naja eigentlich auch wurscht, denn, solange die Beobachtungsergebnisse ansonsten stimmen, was solls?

Am 11-11-00

Auch wieder Cirrus, viel Wind und Vollmond, also eigentlich Schrottbedingungen. Daher nur "mal eben" (wie genial, man kann "mal eben schnell...") auf e1/2 Lyrae gegangen: natürlich macht der Pulsar den locker auseinander, aber... dann der nexte Test:
Den Refraktor auf 50mm abgeblendet und dann... mit 143x und 250x versucht. Dabei gings mit 143xmal so gerade eben (beide Komponenten jeweils doppelt). Bei 250x wird es schon schwieriger, da wirkt wieder das Seeing - trotz nur 2" Öffnung - stärker störend. Aber, der Refraktor löst - zumindest erstmal abgeblendet - bis an theoretische Limit herab auf.

Die Montierung
Da bleibt zunächst zu sagen: Für einen Refraktor dieser Größenordnung ist die EQ-5 Montierung perfekt. Die Belastung stimmt, der Hebel des langen Tubus macht sich nicht störend bemerkbar, lediglich das Alustativ zeigt sich bei höherer Vergrößerung etwas überbelastet. Der Pulsar wird mit einem 5.5 kg-Gegengewicht geliefert - spendabel. Ein 3.7 kg tuts hier auch. Ein Holzstativ - und die Basis für den "Pulsar" wäre perfekt.

Ausstattung
Neu gibts das Gerät mit Montierung (derzeit offenbar nur noch auf der schwächeren EQ-3; die EQ-5 ist bekanntermaßen der "Vixen"-GP doch "irgendwie" relativ ähnlich... und da laufen wohl rechtliche Auseinandersetzungen), Gegengewicht, 20er Plössl-Okular, 2x Barlowlinse, dem 1 1/4 Zoll Zenitprisma und einem 6x30er Sucher.
Für einen Preis von derzeit zwischen 1.700 und 1.800 Mark komplett erhalt man einen guten Gegenwert für sein Geld.




Am 19-11-00

Und ein weiterer kurzer Bericht zum Pulsar... vom 19/11/00 bei mässigem Seeing und endlich wieder abwesendem Mond und fSt ca. 5m5.
Da war sie wieder, die etwas größere Wolkenlücke. Also den leichten Pulsar raus auf den Balkon und loslegen. Denn die Zeit drängte, der nexte Wolkennerv stand schon parat:

Also erstmal Jupiter und Saturn:

Jupiter war eigentlich nicht so dülle, er ist ein wenig zu hell für den Refraktor. Das wirkt sich eigenartigerweise auf die Seeinganfälligkeit aus, mehr noch als beim dunkleren Saturn. Natürlich waren bei 143fach wieder die Monde als kleine Scheibchen erkennbar, mehr aber auch nicht. Der Planet selbst stand "nie so richtig still" und gab daher nicht allzuviel her.

Saturn besser: Cassini-Teilung deutlich, mindestens drei Monde (ist beim Saturn ohne Kartenmaterial ja etwas schwerer zu unterscheiden, da hier die Monde nicht so schön in einer Reihe stehen, wie beim Jupiter). Bei 250facher wurde auch hier das Bild ungemütlicher, halt eben durch das Seeing. Die 143 fache (7er Nagler) ist ohnehin die beste Vergrößerng, denn da kann man auch die Farberscheinungen vernachlässigen.

In den Plejaden reichte es - trotz nur kurzen Hinsehen (vielleicht fünf Minuten) und keinerlei brauchbarer Adaption indirekt "blitzweise" für einen 12m9er Stern. Da ist sicher mehr drin.

Und dann... fiel mir noch ein, das ja in meinem Schrank ein alter Binoansatz mit zwei 12.5er Vixen-Orthos herumstaubt. Den dann flugs geholt, angebaut und... booaah. Die 80-fache Vergrößerung war am Jupiter - eine Freude, man bekam (trotz äußerst ungünstiger liegender Position) einen fast räumlichen bzw. 3D-Eindruck. Noch rasch einen Bino-Blick auf den Orionnebel geworfen und dann war der Himmel wieder dicht.

Ja, der Pulsar macht weiter einen guten Eindruck und ist mit der fürt ihn sehr passenden EQ-5-Montierung sehr gut brauchbar. Und immerhin hatte das Wetter die unglaubliche Gnade gehabt, uns mal 20 Minuten vom Wolkermist zu verschonen...




Am 24-11-00

Sternwarte Bochum-Sundern bei Seeing 2-3, ca. 5, Wind 3-4 und Vollmond plus 10 Tage. Okular: Plössl 10.4mm, LV-5mm, LVW 3.5mm, 2x Barlow

Überraschenderweise wurde es an diesem Abend denn doch noch klar, also raus das 120er Sternwartengerät und - da nun auch einige Besucher da waren - auf Jupiter, Saturn, Plejaden, also, "werbewirksame" Standards. Im Vorhinein: Wenn das Seeing stimmt, zeigt jedes Gerät so ohne Ende mehr..., dies ist mit an diesem Abend mal wieder besonders aufgefallen.
Der Jupiter hatte einen Durchgang von Io vor der Planetenscheibe auf dem Programm. Und im 10.4er Plössl, sowie im 5er LV war der wunderbarst zu verfolgen. Anfangs sah man noch den Nond kurz vor der Planetenscheibe, währen der kleine schwarze Punkt des Schattenwurfes schon auf dem unteren Athmosphärenhauptstreifen erschien. Ein besonderer Moment war dann der Beginn des Eintritts von Io vor der Planetenscheibe: Da war der Mond für einige Zeit als kleines weisslihes Kügelchen sichtbar - direkt neben dem tintenschwarzen und knallscharfes Fleck des Schattenwurfes. Alles bei 94 facher Vergrößerung. Hier war von Farbe nur wenig sichtbar. Stärker trat sie dan doch bei 200 facher vergrößerung im 5er LV zutage, aber auch noch erträglich. Jupiter ist - dank seiner Helligkeit - eben ein doch recht schwieriges Objekt, was die Chromasie betrifft. Aber, der Pulsar zeigte sogar andeutungsweise Details im Großen Roten Fleck, dessen Durchgang währen der gut dreistündigen Beobachtung schön zu verfolgen war. Dies war eine der mich am meisten beeindruckend habenden Jupiterbeobachtungen überhaupt. Zum Vergleich standen noch zwei gute C 8. Die haben mit Chromasie natürlich keine Probleme gehabt, aber in Frage Schärfe hatten sie letztendlich gegenüber dem Refraktor klar das Nachsehen.

Saturn: Auch hier glänzte der Refraktor: Zeitweise fünf Monde waren klar und direkt sichtbar, eine nahezu gänzlich durchlaufende geradezu kräftige Cassini-Teilung und schon Farbunterschiede innerhalb des Ringes. Irgendwann soll es denn auch mal die Encke-Teilung werden, ich kann mir vorstellen, dass dies unter Spitzenbedingungen möglich ist. Der Blick wanderte immer wieder auf den Ringplaneten, es war ein zu schöner Anblick!

PS: Den Saturn habe ich anfangs mal mit einem der typischen 114er Kaufhausnewtons angesehen, mit nem 6er Huygens Okular bei 150facher Vergrößerung: Und auch der Newton hatte keine Probleme mit der Cassini-Teilung. Man soll diese kleinen Geräte nie unterschätzen!

An den Plejaden verweilte ich nur kurz. Dort fahndete ich nach dem 12m9er und den benachbarten 13er Sternen, die ich allerdings nicht fand. Hier nutzte ich dan erstmals das 3.5er Vixen LVW Okular, was einen guten Eindruck mit seiner ca. 285 fachen Vergrößerung und seinem 65 Gesichtsfeld hinterließ. Für den Pulsar ist diese Vergrößerung am hellen Objekt allerdings etwas zu hoch.

Und noch eta Ori, den 1"5er Doppelten, den der Pulsar geradezu lässig auflöste (200fach)

Das sich verstärkende Fazit: Das Gerät ist wirklich ein Gutes fürs Geld, die EQ4/5 Monti passt wie Ar... auf Eimer.

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