112/900mm "Kaufhaus"-Newton von "Tasco"

112/900mm Kaufhaus-Newton von Tasco

Diesen Testbericht habe ich 1983 verfasst, also in Jahren, wo im verbreiteten Amateurbereich noch nicht so sehr Beugungscheibchen, Apoochromaten oder lambda-Werte im Mittelpunkt standen, sondern schlicht kurze Beschriebungen des Gerätes und was man damit sehen konnte. Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass die Amateurastronomie zu diesen Zeiten nicht so weit verbreitet war wie heute, sondern eher ein "Nischenhobby" darstellte. Der graubekittelte Mann in einer damaligen Meade-Werbung spricht ja diese deutliche Sprache (die des "spezialisierten Experten"). Auch zählten damals Instrumente über 8" oder 10" Öffnung schon annähernd zur Oberklasse; heute ist so etwas ja eigentlich Standard.

Die Formulierungen dieses Tests sind bewußt so gelassen, wie ich ihn seinerzeit angefertigt habe, um die "Authentizität" und die Eindrücke zu wahren.

Test Tasco Newton 112/900 mm

Das häufig Geräte vorgestellt werden, deren Preise z.T weit über 1.000 DM liegen und für viele Amateure mehr oder weniger kaum zu bezahlen waren, möchte ich jetzt ein Gerät vorstellen, welches auch für Leute mit nicht so viel Kleingeld erreichbar ist.

Dieses Gerät ist der allseits bekannte 4"5-Zöller Newton, der von vielen Amateuren benutzt wird. Ich möchte hier meine Erfahrungen schildern, die ich in nunmehr 2 Jahren Beobachtungszeit gemacht habe.

Die OPTIK:

Die Optik des Gerätes ist voll zufriedenstellend.Die erreichbare Größenklassenangabe seitens des Herstellers wurde um 1m5 überschritten; auch die mit 1"5 Bogensekunden vorgegebene Trennfähigkeit wurde um 0"3 überschritten.

Vorteile bringte die relativ kleine Optik gerade im Vergleich zu größeren Spiegeln gerade im Winter mit sich: Bringt man das gut transportable Gerät aus einem auf ca. 20° beheizten Innenraum nach draussen, brauchen die Spiegel höchstens eine halbe Stunde Zeit, um sich der stark abweichenden Aussentemperatur anzupassen. Dieser Vorgang ist bei größeren Teleskopen gleicher Bauart erst nach sehr viel längerer Zeit abgeschlossen.

Beobachtungen

Lichtschwache Objekte wie der Eulennebel (M97/NGC3587,11m0) wurden schnell erkannt. Auch Einzelheiten bei M 57 (Ringnebel) wie die Ringstruktur sind erkennbar.

Aber nicht nur bei der Beobachtung von Planetarischen Nebeln oder Galaxien gingen mir häufiger "Aaah´s" und "Oooh´s" über die Lippen, sondern auch bei der Beobachtung von Objekten wie z.B. Kugel- und offenen Sternhaufen, sowie Mond und den Planeten.

So zeigte z.B. der bekannte Kugelsternhaufen M 13 (NGC6205/5m8) viele seiner Sterne. Auch die unweit entfernte Galaxie NGC 6207 (12m3) konnte - wenngleich auch nach einiger Zeit - gesehen werden.

Allerdings ist einschränkend hinzuzufügen, das durch häufiges - wieder-ins-Haus-gehen sich die Augen nicht richtig an die Dunkelheit adaptieren konnten.

Okulare:

Die mitgelieferten Okulare (H 6mm und H 20mm, 0"96 Steckdurchmesser) sind von nicht überzeugender Qualität. Aber man kann sie nutzen. Die desweiteren mitgelieferte 2x Barlowlinse ist - wenn überhaupt - nur für Beobachtungen des Mondes zu empfehlen. Dies auch nur, wenn die Luft sehr ruhig ist.

Bei stellaren Beobachtungen "verwandelt" sie den an und für sich einfarbigen Stern in ein bunt-fröhliches Gemisch aus alles Spektralfarben, was ja eigentlich nicht so sein sollte.

Da wäre es eher ratsam, sich ein 4mm-Okular zu besogen, um damit "einfarbig" zu beobachten.

Jupiter zeigt Einzelheiten seiner Atmosphäre, Saturn Ringe und Monde.

Besonders der Mars wurde während seiner Opposition 1982 "durch die Mangel" genommen: Trotz nicht gerade hoher Deklination waren Gebiete wie Accidalia, Syrtis Major sichtbar.

Bei Beobachtungen an der venus wurde einige sehr schwache Helligkeitsabstufungen in der Atmosphäre erkannt.

Der Newton liefert in Verbindung mit einem aus einem alten 8 x 30er Feldstecher entnommenen 15mm-Kellner-Okular von der Venus ein dermaßen helles Bild, dass sie sogar durch ein Okularsonnenfilter erkannt werden konnte.

Bei Beobachtungen der Sonne mit dem Okularsonnenfilter ist das Teleskop dringend mit der dafür vorgesehenen 50mm- Blende im Objektivdeckel abzublenden. Anderenfalls droht der Sonnenfilter durch die enorme Hitze zu platzen (Erblindungsgefahr!). Zur Verdeutlichung der Gefahr: Blendet man das Teleskop nicht ab und bringt man dann das 20er Okular inden Okularauszug, ist es problemlos möglich, sich hier eine Zigarette anzuzünden (dazu werden Temperaturen von ca. 400° benötigt). Und man bekommt überdies einen schwachen Eindruck, was für eine Energie die Sonne abstrahlt.

Bei Sonnenbeobachtungen mit Blende und dem Okularsonnenfilter liefern das 6er und das 20er Okular (150fach/45fach) gute Bilder. So ist beim 20er Okular die gesamte Sonne mit ihren Fleckengruppen gut überblickbar, während das 6mm Okular Einzelheiten zeigt, wie z.B. kleine Flecken. Auch die Granulation konnte erkannt werden.

Beobachtungen am Mond, gerade um die Halbphase herum, sind mit dem gerät eine Freude. Eine Vielzahl von kleineren Kratern und Rillen zeigen sich. Hier kann man auch die - qualitativ leider nicht befriedigende - Barlowlinse einsetzen und zu hohen Vergrößerungen (H6 mm + 2x Barlow = 300fach/ SR 4mm + 2x Barlow = 450fach) greifen. Das ist jedesmal wieder ein freudiges Erlebnis!

Die Montierung:

Doch zur recht guten Optik wird eine - in meinen Augen - vergleichsweise schlechte Mechanik mitgeliefert. Ganz besonders das Holz-Dreibeinstativ ist sehr dürftig ausgefallen und wertet das Gerät leider ab. Hier wäre seitens der Firma Tasco eine stabilere Alternative richtig am Platze, damit das Bild nicht schon ab 150facher Vergrößerung bei auch nur leichten Winden zu zittern beginnt. Auch ist das Fokussieren keine Freude.

Die Montierung ist mit dem Gewicht des Rohres, der Optik und des Gegengewichtes schon bis zum Äussersten belastet. Das Aufsetzen eines Leitfernrohres zwecks Photographie ist nicht gut möglich. Überhaupt ist das Thema Photographie bei dieser Grundausstattung des Teleskopes sehr vorsichtig zu genießen. Schließt man eine KB-Kamera per Adapter an den Okularasuzug an, zeigt sich, daß die fokale Phoptographie leider unmöglich ist.das das Bild vor dem Film "entsteht". Hierfür wäre eine Verkürzung des Tubus eine gute Sache, so daß das Bild dann im Okualarauszug weiter nach hinten "rutschen" würde und dann von Film "aufgenommen werden könnte". Oder man verkürzt den Okularauszug um ca. 2 cm, was ich aber ür weniger empfehlenswert halten. Also wird man, um geringe Brennweiten (ca. 900 mm) zu erhalten, mit Okularprojektion unter Zuhilfenahme langbrennweitiger Okulare arbeiten müssen.

Und gerade bei der Photographie merkt man besonders, wieder die Schwingungsanfälligkeit des Stativ´s und auch der Montierung. Hier wäre - wie schon erwähnt - eine Abhilfe dringend wünschenswert...


Anmerkungen (2001):

Dieses Gerät wird heute i.d.R. mit etwas geänderter Ausstattung geliefert. Statt des 0"96 Steckdurchmesser für die Okulare gibts den üblichen 1 1"4 (31.7mm) Normdurchmesser. Meist werden an diesen Geräten statt der chromatischen 5 x 24er Sucher achromatische 6 x 30er Sucher mitgeliefert. Die Montierung, auf der das Gerät seinerzeit geliefert wurde, entspricht der heutigen EQ-1 Montierung.

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